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Dieter Just

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1. ich denke-also bin ich nicht (1)   /   2. ich denke-... (2)   /   3. Der Untermensch   /   
4. Weltanschauliche Schulung   /  5. Ein falscher Prophet   /  6. Der Fanatismus der »Vernunft«   /   7. Der Antisemitismus der »Vernunft«  /   8. Der Krieg der Geister um die Werte   /   9. Das radikale Böse in der menschlichen Natur   /   10. Vom Idealismus zur Rassenlehre   /   12. Die religiöse Revolution   /   13. Die deutsche Tragödie - dargestellt an Lenaus Faust   /  14. Das „auserwählte Volk“ der Philosophie   /  15. Hermann Löns, ein Opfer germanischer Hybris  /  16. Schlussbetrachtung   /  17. Dr. Otto Dietrich: Die philosophischen Grundlagen des Nationalsozialismus   /   18. Der innere Feind    /   19. Felix Dahn – der Erfinder des „Übermenschen“   /   20. Sieg oder Untergang des „Reiches“   /   21. Ein amerikanischer Rassist  /  zurück

Einleitung zu
11. Ein Kultbuch der Rechten
Ernst H. Kantorowicz - Kaiser Friedrich der Zweite  

Heute wird in Deutschland manchmal ein umgekehrter Rassismus vertreten: Dieser Mann war Jude, also kann sein Werk nicht verfänglich sein. Nun gab es um 1930 in Deutschland sehr viele Juden, die dem Judentum etwa so eng verbunden waren, wie Hitler dem Katholizismus 1, nämlich nur nominell. Ein solcher Jude war K. Solange er in Deutschland lebte, wirkte und Karriere machte, war er ein nationalistischer Deutscher, dessen geistige Heimat der George-Kreis geworden war. 1933 war der ehemalige Freikorpskämpfer bereit, sich trotz erheblicher Vorbehalte dem neuen Regime zur Verfügung zu stellen. Aber als nationalsozialistische Studenten seine Vorlesungen störten und die Universitätsleitung nichts zu seinem Schutz tat, folgte K. einer Einladung nach Oxford. In seinem späteren Exil in den USA hat er einen „gründlichen“ inneren Wandel durchgemacht, der ihn veranlasste, sich von seiner 1927 erstmals erschienenen, äußerst erfolgreichen Biographie über Friedrich II. zu distanzieren. Erich von Kahler hat seine Motive folgendermaßen wiedergegeben:

Das zweite, wichtigeres Motiv aber war, dass seine (die des Autors) menschlichen und politischen Überzeugungen sich infolge der deutschen Ereignisse und seiner amerikanischen Erfahrungen in der Zwischenzeit gründlich verändert hatten und der Ton, in dem das Buch geschrieben war, seinen gewandelten Anschauungen nicht mehr entsprach. Das ganze Buch, dachte er, müsse neu geschrieben werden, und dazu fühlte er sich nicht mehr geneigt... 2

Sein Buch macht trotzdem in unveränderter Fassung in Deutschland Furore, was die grundsätzliche Frage nach der Effizienz der politischen Umerziehung der Deutschen nach dem Krieg aufwirft. Eigentlich wäre es die Aufgabe eines Mediävisten, heute die nötigen Klarstellungen zum Friedrich-Buch von K. zu liefern. Aber da scheint es an der nötigen Entschlossenheit zu fehlen. Ich zitierte aus einer im Klappentext zur Ausgabe von 1995 wiedergegeben Rezension von Horst Fuhrmann in Die Zeit:

K.s Porträt Friedrichs II. war Ausdruck der elitären Gesinnung des George-Kreises, dessen Gedanken, Sprache und Tun den Nachgeborenen fremd anmuten, auch wenn einst um dieses Buch und seine „Mythenschau“ eine heftige und von K. souverän bestandene Diskussion ausgebrochen war. Einem Publikum eigener Art wurde und wird die Lektüre des Buches zum Erlebnis.

Fuhrmann warnt zunächst von dem elitären Denken des George-Kreises, lässt durchblicken, wie wenig zeitgemäß dieses sei, aber dann kneift der Gelehrte. Es geht nämlich nicht darum, ob K. in der nationalistisch aufgeheizten Atmosphäre der Spätphase der Weimarer Republik die Diskussion über sein Buch „souverän“ bestand, sondern was ein deutscher Gelehrter im Jahre 1995 dazu zu sagen hat. Ist das Buch nicht tatsächlich eine Mythenschau, so dass die Anführungszeichen bei diesem Wort wegzulassen wären? Da auch Thomas Karlauf in seiner Stefan-George-Biographie zum Friedrich-Buch nichts weiter einfällt als „glänzend geschrieben“, glaube ich, besorgt über den neuerdings wieder aufbrechenden Nationalismus und Rassismus, einige kritische Bemerkungen nachtragen zu müssen.  

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1 Dass sich Hitler in seiner Wiener Zeit in der antikirchlichen Los-von-Rom-Bewegung stärker engagierte, als er später wahrhaben wollte, hat Brigitte Hamann in Hitlers Wien, München 1996, S.358f. dargestellt.

2 Vorspann zur Ausgabe von 2003, aus der ich im Folgenden zitiere.

Ende der Einleitung,
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